Der 1.Mai wird als Tag der Arbeit in vielen Ländern gefeiert. In der BRD kommt es dann auch regelmäßig zu Ausschreitungen, wobei ein politischer Anspruch zunehmend nicht mehr artikuliert wird. In den letzten 2 Jahren war es ruhiger. Dies liegt nicht zuletzt an den Bemühungen der Polizei. Auch wird deren Ausrüstung zunehmend verbessert.
Dieses Jahr droht in Berlin zum ersten Mal der Einsatz der neuen Generation von Wasserwerfern, des Wasserwerfer 10000 (WaWe 10).Vorgesehen ist der WaWe 10 “für den Einsatz unmittelbaren körperlichen Zwanges gegen Personen im Rahmen der polizeilichen Gefahrenabwehr, insbesondere bei Demonstrationen und anderen Großveranstaltungen.” Das “geschützte Tankfahrzeug” hat einen Einzelpreis von rund 950.000 Euro. Dafür kann man schon mal ein Hightech-Fahrzeug erwarten.
Der blaue Gigant ist imposante 3,7 m hoch, 9,9 m lang und 2,55 m breit.
Das Design mit nach vorne geneigter Frontscheibe soll Angst einflößen. Kantenlose Wände verhindern, dass man da hochklettern kann und die schräge Dachform sorgt dafür, dass Molotowcocktails nicht auf dem Einsatzfahrzeug liegen bleiben können.
Auch sonst können Brandsätze dem Wagen nichts. Düsen an allen Seiten und auch unter dem Wagen löschen per Knopfdruck jedes Feuer.
Der neue WAWE 10 basiert auf einem dreiachsigen Mercedes Actros Allradfahrgestell 3341 AK/42/6×6 (Euro 5 mit AdBlue) mit 408 PS (300 kW). Der Antrieb leistet 300 kW. Das zulässige Gesamtgewicht liegt laut Hersteller bei 33 T, der Wendekreis soll bei zirka 20 Metern liegen und sämtliche Reifen verfügen über Notlaufeigenschaften.
Der in modularer Bauweise gefertigte Aufbau besteht aus selbst tragenden und verwindungssteifen Alu-Blechen, seitlich liegen Geräteräume. Die Kabine selbst besteht aus einer Aluminiumverblechung auf einem Aluminiumgerippe und soll höchstmögliche Rundumsicht auf das Einsatzgeschehen gewährleisten. Dazu gibt es noch Videokameras, die der Besatzung auch bei Angriffen von mehreren Seiten einen Rundumblick garantieren. Die Aufnahmen dienen, wie praktisch, zudem noch der Beweissicherung. Dazu hat das Teil auch eine Mikrofonanlage am Fahrzeug, mit der die Lautsprecherdurchsagen auf Verständlichkeit hin überprüft und ebenfalls protokolliert werden. Ausreden wie “man konnte die Durchsage nicht verstehen” gibt es dann wohl nicht mehr.
In der Kabine finden 5 Personen Platz. Vorne links der Fahrer, rechts neben ihm jemand, der sich um die Video- und Audiodokumentation kümmert, dazwischen lungert der Kommandant vor seinen Monitoren und leitet zwei Beamte an, die hinter ihm sitzend per Joystick die Wasserkanonen bedienen. Zur Ausstattung gehören erstmalig eine Klimaanlage, Standheizung sowie eine Überdruck- und Außenluftfilteranlage. Das alles dient nicht nur der Bequemlichkeit der Polizisten. Die Außenluftfilteranlage ist notwendig, falls einer der mitgeführten Reizstoffe wie CN- oder CS-Tränengas benutzt werden. Im Geräteraum werden dazu sechs Gas-Behälter à 20 Liter mitgeführt.Die Tränengase können dem Wasser zugemischt (Zumischraten von 0,1 bis 1,5 Prozent.) werden und als Aerosol ausgegeben werden.
Die Schutzverglasung der Kabine besteht aus Polycarbonat. Sie soll höchste Schutzwirkung gegen Angriffe haben. Selbst bei einem Wurf mit einer Gehwegplatte aus 12 Meter Höhe ist die Sicherheit der Kabineninsassen gewährleistet. Einfach mit Farbbeutel werfen bringt bei diesem Ungetüm auch nichts, da am oberen Rand der Verglasung eine Sprüheinrichtung zur Reinigung der Kabinenscheiben angebracht ist.
In dem beheizbaren Wassertank werden 10.000 Liter Wasser (daher auch Wawe 10) mitgeführt. Die Pumpenanlage N35 ist im Heck des Fahrzeuges eingebaut und wird mit einem eigenen Pumpenmotor „TCD 2012L06“ von Deutz angetrieben. Durch diesen separat eingebauten Motor kann wie auch schon beim Vorgängermodell auch während des Fahrens, egal ob vorwärts oder rückwärts bzw. bei jeder Geschwindigkeit Wasser geworfen werden.
Für das Wasserwerfen hat der WaWe 10 am Dach drei Werfer Typ „RM12 C“ montiert, zwei vorne mit einer Durchlaufmenge von bis zu 1200 l/min und einer Wurfweite von 65 Metern mit 10 Bar Druck sowie eines hinten mit bis zu 900 l/min und einer Wurfweite von 50 Metern.
Damit ist man schon unter Beschuss, bevor man überhaupt an dieses Ungetüm rangekommen ist. Wer es dennoch näher ranschafft kann sich damit aus einandersetzen, was ein Druck von 10 Bar bedeutet. Nicht nur blaue Flecken. Da können auch Rippenbrüche die Folge sein.
Um das zu verhindern, verfügt der WaWE 10 über eine Druckregulierung des Hohlstrahlrohres in Kombination mit einem Entfernungsmesser. Damit soll laut Hersteller eine optimierte Abgabe ermöglicht werden, um mögliche gewalttätige Aufstände zu stoppen, ohne jemanden zu verletzen. Die zielgerichtete Bedienung der Werfer durch die Strahlrohrführer erfolgt mittels Joystick und Bildschirm.
Des weiteren können die neuen Wasserkanonren nicht nur wie bisher nur direkten Vollstrahl, sondern beispielsweise zur optimierten Brandbekämpfung auch andere Wasserstrahlformen abgeben. Man konnte es bisher bei Demonstrationen beobachten, das Wasserwerfer der Polizei bei dem Löschen brennender Mülltonnen und PKW Schwierigkeiten hatten.Nun können aber auch andere Strahlbilder wie z.B. Sprühstrahl dargestellt werden. Für den Nahbereich gibt es jetzt auch die sogenannte „Wasserwand“ . Sie soll Protestler nur nass machen und zum Gehen bewegen, ohne zu verletzen. Die Polizei nennt dies “anfeuchten”. Desweiteren kann der WaWe 10 “Wasserwände” schaffen, hinter denen die Einsatzkräfte geschützt und auch überraschend vorrücken.
Weiterhin verfügt das Fahrzeug zum Löschen von Brandsätzen am Boden wie auch am Dach als Selbstschutz über eine Wasserabgabemöglichkeit mit einer Leistung von 70 l/min. Mehrere Fahrzeuge können sich untereinander mit Wasser versorgen, ohne den Einsatz unterbrechen zu müssen. So ein Wagen ist schon in 10 Minuten befüllt und kann in etwa 3 Minuten alles Wasser raushauen.
Zur Dokumentation der Rechtmäßigkeit des Einsatzes verfügt das Fahrzeug über drei Videokameras, wovon zwei im Front und eine im Heck angebracht wurden. Die Lautsprecheranlage sowie die Außensprech- und Gegensprechanlage einschließlich einer Sprachaufzeichnung dienen der Information aller Beteiligten sowie zur gerichtlichen Beweissicherung. Digitale und vorerst auch analoge Funkgeräte ermöglichen zudem die Verbindung zu anderen Einsatzkräften.
Leute, das hier ist keine mobile Dusche mehr für angenehme Wasserspiele in lauer Sommernacht. Das Teil ist für die kommende Generation von Diktatoren gebaut und wird wohl der nächste Verkaufsschlager aus Deutschland.
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